SEO, Webentwicklung

Mehrsprachige Websites richtig aufsetzen: hreflang, Canonicals und der teuerste Anfängerfehler

• von NetCreators

Mehrsprachige Websites richtig aufsetzen: hreflang, Canonicals und der teuerste Anfängerfehler

Mehrsprachigkeit klingt nach einer Sache für Übersetzer. Technisch ist sie eine der fehleranfälligsten Baustellen überhaupt — und der häufigste Fehler kostet Sichtbarkeit, ohne dass es jemandem auffällt.

Der Fehler

Eine Website liegt unter /de und /en. Die Inhalte kommen aus einem CMS. Nur: Im CMS gibt es die Beiträge bloß einmal, auf Deutsch. Beide Sprachpfade greifen auf dieselben Daten zu.

Das Ergebnis:

  • /de/blog/artikel liefert deutschen Text mit lang="de"
  • /en/blog/artikel liefert denselben deutschen Text mit lang="en"
  • beide URLs erklären sich per Canonical selbst zum Original
  • beide stehen in der Sitemap

Für eine Suchmaschine sind das zwei eigenständige Seiten mit identischem Inhalt. Die Signale, die auf einen Artikel einzahlen könnten, verteilen sich auf zwei Adressen — und die englische Variante ist für englischsprachige Suchanfragen ohnehin wertlos, weil der Text deutsch ist.

Bei zwanzig Beiträgen sind das vierzig URLs für zwanzig Inhalte. Der Aufwand, das zu beheben, ist gering. Der Schaden, es nicht zu tun, ist dauerhaft.

So erkennen Sie es in zwei Minuten

Rufen Sie denselben Beitrag unter beiden Sprachpfaden auf und vergleichen Sie:

  1. Ist der Text identisch? Wenn ja, haben Sie das Problem.
  2. Worauf zeigt das Canonical? Im Seitenquelltext nach rel="canonical" suchen. Zeigt jede Version auf sich selbst, erklären sich beide zum Original.
  3. Gibt es hreflang? Suchen Sie nach hreflang. Fehlt es ganz, fehlt die Zuordnung.
  4. Was steht in der Sitemap? Tauchen beide Varianten auf, meldet die Website die Duplikate aktiv bei Google an.

Die saubere Lösung

Entscheidend ist eine Grundregel: Der Canonical wird aus dem Inhalt abgeleitet, nicht aus der aufgerufenen Sprache.

Genau diese Verwechslung erzeugt den Fehler. Wenn die Seite ihre kanonische Adresse aus dem URL-Pfad baut, erklärt sich jede Sprachvariante zwangsläufig selbst zum Original.

Konkret gehört dazu:

Ein Sprachfeld am Inhalt. Jeder Beitrag trägt die Sprache, in der er verfasst ist. Ohne diese Information kann das System nicht wissen, wohin er gehört.

Listen nach Sprache filtern. Die englische Übersicht zeigt englische Beiträge. Gibt es keine, zeigt sie einen ehrlichen Hinweis — nicht ersatzweise die deutschen.

Falsche Sprachpfade weiterleiten. Ruft jemand einen deutschen Beitrag unter /en auf, ist eine dauerhafte Weiterleitung (301 oder 308) auf die deutsche Adresse der sauberste Weg. Damit verschwindet das Duplikat und gleichzeitig die falsche lang-Angabe.

Sitemap einmal pro Inhalt. Jeder Beitrag erscheint unter genau einer URL.

hreflang ehrlich setzen. Und das ist der Punkt, der meist missverstanden wird.

hreflang richtig verstehen

hreflang ist keine Empfehlung an Google, sondern eine Aussage: "Diesen Inhalt gibt es in folgenden Sprachvarianten." Wenn Sie eine Variante angeben, die es nicht gibt, ist die Angabe schlicht falsch.

Für einen Beitrag, den es nur auf Deutsch gibt, ist korrekt:

  • ein hreflang="de" auf sich selbst
  • ein hreflang="x-default" ebenfalls auf die deutsche Fassung

Das wirkt zunächst sinnlos — warum auf sich selbst verweisen? Weil es eine Aussage trifft: Diese Seite existiert in einer Sprache, und das ist Absicht, keine fehlende Übersetzung.

Sobald eine Übersetzung dazukommt, verweisen beide Fassungen wechselseitig aufeinander. Wichtig dabei: Die Verweise müssen beidseitig sein. Verweist die deutsche Seite auf die englische, aber nicht umgekehrt, ignoriert Google die Angabe.

Ein praktischer Hinweis am Rande: Manche Frameworks geben das Attribut als hrefLang aus. Das ist korrekt — HTML-Attributnamen sind nicht case-sensitiv. Wer per Textsuche prüft, sollte Groß- und Kleinschreibung ignorieren, sonst sucht man einen Fehler, den es nicht gibt.

Wenn Übersetzungen erst später kommen

Der häufigste Praxisfall: Man weiß, dass irgendwann übersetzt wird, aber es ist noch nicht so weit.

Der Reflex, die deutschen Inhalte solange unter beiden Pfaden auszuliefern, ist verständlich und falsch. Er erzeugt genau den Schaden, um den es hier geht.

Besser: Das Datenmodell so anlegen, dass Übersetzungen jederzeit möglich sind — ein Sprachfeld und ein gemeinsamer Schlüssel, der zusammengehörige Fassungen verbindet. Dann kostet die spätere Übersetzung keine Umbauarbeit, und bis dahin ist die Website sauber.

Was Sie prüfen sollten

Wenn Ihre Website zweisprachig ist, dauert der Check zehn Minuten:

  • Sitemap öffnen und zählen, wie viele URLs auf jeden Sprachpfad entfallen. Sind die Zahlen identisch, obwohl es nicht überall Übersetzungen gibt, stimmt etwas nicht.
  • Bei einem Beitrag beide Sprachfassungen vergleichen.
  • In der Search Console unter "Seiten" nachsehen, ob Google Seiten als Duplikate einstuft.

Es ist eine dieser Baustellen, die keinen Alarm auslösen. Die Website funktioniert, sie sieht gut aus, nichts ist kaputt — sie ist nur nur halb so sichtbar, wie sie sein könnte.

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