Wer für ein Webprojekt drei Angebote einholt, bekommt oft drei Summen, die um den Faktor drei auseinanderliegen — für scheinbar dieselbe Leistung. Das liegt selten daran, dass jemand überteuert anbietet. Meistens beschreiben die Angebote schlicht unterschiedliche Dinge, und das erkennt man beim Überfliegen nicht.
Dieser Beitrag nennt keine Preise. Was ein Projekt kostet, hängt von Umfang, Komplexität und Anforderungen ab. Er nennt stattdessen die Punkte, an denen sich zeigt, ob ein Angebot belastbar ist.
Was in einem belastbaren Angebot stehen muss
Ein konkreter Leistungsumfang
"Erstellung einer Website" ist keine Leistungsbeschreibung. Belastbar wird es, wenn Sie erkennen können:
- Wie viele Seitentypen sind enthalten? Eine Leistungsseite ist etwas anderes als eine Übersichtsseite, und ein Kontaktformular etwas anderes als ein Konfigurator.
- Wer liefert Texte und Bilder? Der häufigste versteckte Kostenblock — und die häufigste Ursache für Projektverzögerungen.
- Welche Sprachen? Zweisprachigkeit verdoppelt nicht nur den Übersetzungsaufwand, sondern erhöht auch den technischen.
- Sind Schnittstellen enthalten? Warenwirtschaft, CRM, Newsletter, Zahlungsanbieter.
Aussagen zur Technik
Sie müssen kein System bewerten können, aber Sie sollten erkennen, worauf Sie sich einlassen. Ein Angebot sollte benennen, welche Grundlage verwendet wird und was das für den Betrieb bedeutet.
Die wichtigere Frage dahinter: Was passiert, wenn wir uns trennen? Kann ein anderer Dienstleister übernehmen, oder ist die Lösung so gebaut, dass ein Wechsel einem Neubau gleichkommt? Fragen Sie das explizit. Die Reaktion ist aufschlussreicher als die Antwort.
Was nach dem Livegang passiert
Ein Webprojekt endet nicht mit der Freischaltung. Ein Angebot, das dazu nichts sagt, ist unvollständig:
- Wer macht Sicherheitsupdates, und in welchem Rhythmus?
- Was kostet der laufende Betrieb — Hosting, Domains, Lizenzen, Wartung?
- Wie ist der Weg, wenn etwas ausfällt? Gibt es Reaktionszeiten?
- Was kostet eine kleine Änderung nach Projektende?
Der letzte Punkt ist der, der im Alltag am meisten wehtut. Ein günstiges Projekt mit teuren Änderungen kann über zwei Jahre die deutlich schlechtere Rechnung sein.
Wem gehört was
Klingt selbstverständlich, ist es nicht:
- Auf wen laufen Domain und Hosting-Konto? Idealerweise auf Sie, nicht auf die Agentur.
- Wer hat Zugriff auf Analytics, Search Console und Werbekonten?
- Wo liegt der Quellcode, und haben Sie Zugriff?
- Welche Nutzungsrechte haben Sie an Design und Code?
Wir haben Fälle erlebt, in denen ein Wechsel daran scheiterte, dass die Domain auf den bisherigen Dienstleister registriert war. Das ist keine Bosheit, meist ist es Bequemlichkeit — aber es ist Ihr Risiko.
Formulierungen, die später teuer werden
"Inklusive SEO-Optimierung" ohne weitere Angabe. SEO reicht vom Setzen einiger Meta-Tags bis zu monatelanger Arbeit. Ohne Konkretisierung ist die Position bedeutungslos.
"Responsive Design" als hervorgehobenes Verkaufsargument. Das ist seit über einem Jahrzehnt Grundvoraussetzung. Wer es als Extra ausweist, setzt einen bemerkenswert niedrigen Maßstab.
"Nach Aufwand" ohne Ober- oder Richtwert. Bei klar umrissenen Zusatzleistungen in Ordnung, beim Kern des Projekts ein offenes Ende.
"Wartung inklusive" ohne Definition. Sicherheitsupdates? Inhaltspflege? Neue Funktionen? Der Unterschied ist erheblich.
Kein Wort zu Barrierefreiheit. Für viele Unternehmen in Österreich ist das seit 2025 keine Kür mehr, sondern gesetzliche Anforderung. Ein Angebot für einen B2C-Shop, das das nicht erwähnt, hat entweder die Rechtslage nicht auf dem Schirm oder plant eine Nachforderung ein.
Die Fragen, die am meisten verraten
Wenn Sie nur wenige Fragen stellen können, dann diese:
- "Was ist in diesem Angebot bewusst nicht enthalten?" Ein guter Anbieter kann das aus dem Stand beantworten. Ausweichende Antworten sind ein Signal.
- "Was wird dieses Projekt in drei Jahren gekostet haben?" Zwingt zum Rechnen mit Betrieb, Wartung und Änderungen.
- "Was passiert, wenn wir uns trennen?"
- "An welcher Stelle wird es erfahrungsgemäß teurer als geplant?" Wer ehrlich antwortet, hat Projekte gemacht. Wer beteuert, das komme nicht vor, hat wenige gemacht.
Warum das billigste Angebot selten das günstigste ist
Das ist keine Verkäuferweisheit, sondern eine Frage der Rechenweise. Ein Projekt, das mit sehr knappem Preis startet, muss die Marge woanders holen — über Änderungsaufträge, teure Wartung oder eine Lösung, die einen Wechsel erschwert.
Umgekehrt ist teuer nicht automatisch besser. Der brauchbare Maßstab ist: Welches Angebot beschreibt am genauesten, was tatsächlich passiert? Wer präzise beschreibt, hat verstanden, worum es geht — und hat weniger Anlass, später nachzufordern.
Wenn Sie mehrere Angebote vorliegen haben und unsicher sind, ob sie überhaupt dasselbe beschreiben: Wir sehen uns das gerne an und sagen Ihnen, worin sie sich unterscheiden — auch wenn unseres nicht darunter ist.



